Schimmelprobleme sind in der Schweiz weit verbreitet. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weist darauf hin, dass jede vierte bis fünfte Wohnung von Feuchtigkeits- oder Schimmelproblemen betroffen ist – mit erheblichen Folgen für Gesundheit und Bausubstanz. Die Symptome sind vielfältig: von kleinen Flecken hinter Möbeln bis zu grossflächigem Bewuchs an Wänden.
In der Praxis zeigt sich immer wieder: Es wird an der Oberfläche gearbeitet, aber nicht an der Ursache. Genau deshalb kommen viele Schäden nach kurzer Zeit wieder zurück. Wer Schimmel dauerhaft lösen will, muss das Gebäude verstehen, nicht nur den Fleck an der Wand.
Weltweit sind über 100’000 Schimmelpilz-Arten bekannt. In der Natur übernehmen sie wichtige Aufgaben beim Abbau organischer Stoffe. In Innenräumen hingegen haben sie nichts verloren. Ihre Sporen werden über die Luft verteilt, können eingeatmet werden und stellen je nach Art ein gesundheitliches Risiko dar. Entscheidend für ihr Wachstum ist dabei ein Faktor, den sie alle gemeinsam benötigen: Wasser.

Schimmel braucht vor allem eines: Feuchtigkeit. Die Ursachen sind meist ein Zusammenspiel aus Bauphysik, Nutzung und Lüftung:
Feuchtigkeit als unverzichtbare Voraussetzung
Schimmelpilze wachsen nur dort, wo über längere Zeit ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist – sei es durch Kondensation, Baufeuchte, Wasserschäden oder unzureichendes Heizen und Lüften. Typische Ursachen sind bauphysikalische Mängel wie Wärmebrücken, schlecht gedämmte Bauteile oder undichte Fassaden, aber auch nutzungsbedingte Feuchte etwa durch Kochen, Duschen, Schlafen oder das Trocknen von Wäsche. Hinzu kommt oft eine unzureichende Lüftung, die besonders in sehr gut abgedichteten Gebäuden schnell zu Feuchtestau führen kann. Gerade in Neubauten tritt häufig Kondensat auf, weil die Bauteile nach der Fertigstellung noch Feuchtigkeit abgeben und somit ein erhöhtes Risiko für Schimmelbildung entsteht.
Bauphysik: Wo Wärmebrücken zum Problem werden
Die Schweizer Norm SIA 180 definiert klare Anforderungen, um Kondensation und den damit verbundenen Schimmelbefall an Oberflächen zuverlässig zu vermeiden. Zentral ist dabei der Oberflächentemperaturfaktor fRsi, der mit einem Mindestwert von 0.7 sicherstellt, dass keine kritischen Feuchtebedingungen entstehen. Wird dieser Wert unterschritten, kann die relative Luftfeuchtigkeit an der Bauteiloberfläche lokal über 80 % ansteigen – ein Bereich, in dem Schimmelwachstum begünstigt wird. Werden diese Werte unterschritten, kann Feuchtigkeit kondensieren – oft unbemerkt hinter Möbeln, in kalten Raumecken oder an schlecht belüfteten Bauteilen. Obwohl Normen wie die SIA 180 klare Vorgaben machen, werden diese in der Praxis – insbesondere im Bestand – häufig nicht konsequent eingehalten.
Lüftung – Ein oft unterschätzter Faktor
Empfehlenswert ist ein regelmässiges Stosslüften, um die Feuchtigkeit im Raum zu reduzieren. Hohe CO₂‑Werte gelten dabei als verlässlicher Indikator für unzureichende Luftqualität. Gerade Wohnbaugesellschaften stehen vor der Herausforderung, dass Lüftungsfehler nicht selten Ursache oder Verstärker von Feuchte- und Schimmelproblemen sind.
Gesundheitsrisiken: Von Reizungen bis zu schweren Infektionen
Schimmelpilze können eine Vielzahl gesundheitlicher Beschwerden auslösen – von zunächst harmlos wirkenden Reizungen bis hin zu ernsthaften Atemwegserkrankungen. Das BAG nennt unter anderem Augen- und Hautreizungen, Atembeschwerden, allergische Reaktionen sowie Asthma oder die Verschlechterung bestehender Erkrankungen3). Besonders gefährdet sind immungeschwächte Personen. Für Gebäudeeigentümer und Bewirtschafter bedeutet dies: Schimmel ist nicht nur ein optisches Problem, sondern ein ernstzunehmendes gesundheitliches und rechtliches Risiko, das entsprechend professionell behandelt werden muss
Entscheidend ist die Oberflächentemperatur.
Wenn Bauteile zu kalt werden, steigt lokal die Luftfeuchtigkeit, Kondensat entsteht und Schimmel findet ideale Bedingungen.
Der Klassiker: reinigen, überstreichen, fertig. Das Problem bleibt bestehen und der Schimmel kommt zurück. Eine Sanierung ohne Ursachenanalyse ist ein Blindflug

Schritt 1 – Ursachenanalyse
Die Schimmelsanierung beginnt mit einer präzisen Ursachenanalyse. Dabei werden bauphysikalische Schwachstellen wie Wärmebrücken oder unzureichende Dämmungen, mögliche Wasserschäden sowie das Lüftungs- und Heizverhalten der Nutzer überprüft. Zusätzlich wird die Luftwechselrate beurteilt, um die Feuchteverteilung im Raum richtig einzuordnen.
Schritt 2 – Ursachenbehebung
Auf Basis dieser Erkenntnisse folgt die gezielte Ursachenbehebung. Dazu gehören Verbesserungen an der Dämmung, bauliche Reparaturen und Abdichtungen, um Feuchtequellen zu eliminieren. Ebenso wichtig ist eine optimierte Lüftung – ob manuell oder mechanisch – sowie angepasste Raumtemperaturen, die kritische Oberflächenfeuchten reduzieren.
Schritt 3 – Entfernung des befallenen Materials
Anschliessend wird das befallene Material entfernt. Kleine, oberflächliche Flächen bis 0.5 m² können unter geeigneten Schutzmassnahmen selbst gereinigt werden, während grössere oder tiefere Schäden zwingend durch Fachpersonen saniert werden müssen.
Schritt 4 – Wiederherstellung und Prävention
Zum Abschluss erfolgt die fachgerechte Wiederherstellung mit geeigneten Oberflächenmaterialien und korrekt ausgeführten Detailausbildungen. Ein dauerhaft funktionierendes Lüftungs- und Heizkonzept sorgt dafür, dass der Feuchtehaushalt stabil bleibt und erneuter Schimmelbefall langfristig verhindert wird.
Nur wenn alle vier Schritte sauber umgesetzt werden, ist die Lösung dauerhaft.
In vielen Bestandsbauten lassen sich Wärmebrücken nicht vollständig entfernen. In solchen Fällen kommen spezielle Sanierungssysteme zum Einsatz, die gezielt an der Oberfläche wirken und die Ursache bekämpfen, wie etwa das mineralische Innendämmsystem StoReno In Protect M. Es reduziert Kondensat und verhindert langfristig neue Schimmelbildung, besonders bei Bestandsbauten mit Wärmebrücken.
Schimmel ist kein Reinigungsproblem, sondern ein Systemproblem. Erfolgreiche Schimmelsanierung beginnt nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Verständnis des Gebäudes. Wer Ursachen systematisch analysiert und bauliche, nutzungsbedingte und klimatische Faktoren gemeinsam betrachtet, verhindert teure Rückfälle – und schützt Menschen und Bausubstanz und spart langfristig Zeit, Geld und Ärger.
